Schwanengesang

So, 28. Juli | 16:00 Uhr

Originaltitel: Schwanengesang in Musik gesetzt für eine Singstimme in Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert. Letztes Werk. 

Eigentlich ist der Schwanengesang D.957 gar kein Zyklus: Der Titel stammt von Verleger Tobias Haslinger, der die Lieder herausgebracht hat. Er wollte das Publikum darauf hinweisen, dass es sich hier um ein letztes Werk handelt. Anders als in Winterreise und Die schöne Müllerin, die Schubert selbst so genannt hat und deren Textdichter allein Wilhelm Müller war, haben wir es hier mit gleich drei Poeten zu tun: Ludwig Rellstab, Heinrich Heine und Johann Seidl. Unter den dreien ist Heinrich Heine heute wahrscheinlich der bekannteste, aber Schubert hat nur sechs Heine-Gedichte im Schwanengesang vertont. Wir wissen, dass Schubert die Heine-Lieder separat einem anderen Verleger angeboten hat. So weit her kann es mit dem zyklischen Gedanken also nicht gewesen sein. 

Und Verleger Haslinger fügt mit “Die Taubenpost” auch noch Schuberts letztes Lied hinzu und schafft so ein Werk, das eher durch Vielfalt, als durch Einheitlichkeit besticht. 

Was wir aber in diesem Programm erleben, ist die durchweg sehr hohe Qualität der Lieder. Kurz: Alles Hits!

Stefan Weible geht mit seinem Programm sogar noch einen Schritt weiter. Er verbindet die letzten Lieder Schuberts mit anderen herausragenden Stücken: Dem Ave Maria und dem Erlkönig op. 1., die er wie den Schwanengesang für Bariton solo, Chor und zwei Marimbas arrangiert hat. Birgit Quellmelz liest außerdem wunderbar feinsinnige und humorvolle Texte vor

Freuen Sie sich also auf den Nicht-Zyklus Schwanengesang, die Singakademie Stuttgart, Johannes Held als Solist, auf Birgit Quellmelz als Sprecherin und Luca Magdalena Schall und Katarzyna Myćka an den Marimbas. 

Ihr Johannes Held
Künstlerischer Leiter Liedfestival Sindelfingen

Johannes Held, Bariton
Birgit Quellmelz, Sprecherin
Singakademie Stuttgart
Katarzyna Myćka & Luca Magdalena Schall, Marimba
Stefan Weible, Musikalische Leitung

Location: Martinskirche

Eintritt 29€ / 24€ – 5€ (alle unter 30)

Der Atlas (Heinrich Heine 1797- 1856)
Ellens Gesang III: Hymne an die Jungfrau (Walter Scott 1771 – 1832)
Kriegers Ahnung (Ludwig Rellstab 1799 – 1860)
An die Musik (Franz von Schober 1796 – 1882)
Ständchen (Ludwig Rellstab)
Ihr Bild (Heinrich Heine)
Das Fischermädchen (Heinrich Heine)
Erlkönig (Johann Wolfgang von Goethe 1749 – 1832)
Die Stadt (Heinrich Heine)
Am Meer (Heinrich Heine)
Der Doppelgänger (Heinrich Heine)
Die Taubenpost (Johann Gabriel Seidl 1804 – 1875)
Liebesbotschaft (Ludwig Rellstab)
In der Ferne (Ludwig Rellstab)
Abschied (Ludwig Rellstab)

Johannes Held | Foto: Jens Oellermann

Johannes Held, Bariton

Die ersten Schritte seiner Ausbildung ging Bariton Johannes Held bei den Stuttgarter Hymnus Chorknaben, danach studierte er in Freiburg und schloss seine Studien in Kopenhagen an der Opernakademie mit Susanna Eken ab. Zu seinen Coaches zählen Mikael Eliasen, Fiona MacSherry, Ouri Bronchti, Tim Ribchester und Christopher White.

Nach dem Ende seiner Studienzeit war Johannes Held Ensemblemitglied am Oldenburgischen Staatstheater und war seither als Solist an vielen internationalen Häusern tätig, darunter die Königliche Dänische Oper, Wermlandoper (Schweden), Oldenburgisches Staatstheater, Staatstheater Mainz und Theater Bozen (Italien).

In den letzten Jahren konnte Johannes sich als Liedinterpret einen Namen machen und vor allem seine Arbeit mit Schuberts Winterreise fand internationale Anerkennung.

Im Konzertfach war Johannes zuletzt mit Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen unter der Leitung von Kolja Blacher in mit dem Orchestra Sinfonica di Milano in Mailand zu erleben. Außerdem war Johannes zu Gast beim Kammermusikfestival KAMARA.HU an der Liszt Akademie Budapest, wo er Lieder und Kammermusik von Brahms, Wolf, Bussoni und Schoenberg sang. 

Höhepunkte dieser Season sind für Johannes die Aufführung des Elias unter Volker Hedtfeld in Berlin, sowie sein erscheinen in Bachs Johannes-Passion im Dom zu Mailand als Jesus unter der Leitung von Ruben Jais. 

Johannes Held ist Gründer und Künstlerischer Leiter des Liedfestival Sindelfingen (früher DER ZWERG), das alle zwei Jahre in Sindelfingen stattfindet. Ab diesem Jahr baut er in Zusammenarbeit mit Prof. Götz Payer die Lied Akademie Sindelfingen auf, die Menschen allen Alters und jedes Leistungsniveaus für das Lied begeistern will.

Johannes Held ist dankbar für die vielfältige Unterstützung, die er von der Studienstiftung des Deutschen Volkes, dem Evangelischen Studienwerk „Villigst“, der Richard Wagner Stiftung und der Kunststiftung BW erhielt.

Birgit Quellmelz, Sprecherin

Birgit Quellmelz wuchs in einer Musikerfamilie auf. Sie studierte zunächst Gesang in Weimar. Ein Studium der Sprechkunst und Sprecherziehung in Stuttgart schloss sich an. Seither bestimmen Musik und Sprache gleichermaßen ihr berufliches Leben. Neben der sprecherzieherischen und stimmbildnerischen Tätigkeit gilt ihre Liebe vor allem jenen Programmen, welche Musik und Wort verbinden. Daraus entstanden erfolgreiche Regiearbeiten für Theater, Musical und Sprechbühne. Hier liegt ihr besonders die gesangliche und sprecherische Förderung von Kindern und Jugendlichen am Herzen. Daraus entwickelte sie eine Reihe spannender Konzert-Lyrik-Formate zu Themen wie Freiheit, Genie und Grenzen, die u. a. mit dem Sindelfinger Kinder- und Jugendchor ihren Ausdruck fanden. 

Als Sprecherin gestaltete sie Sprechpartien u. a. im Sommernachtstraum von Mendelssohn Bartholdy in Zusammenarbeit mit Holger Speck, die Weihnachtsgeschichte in Zusammenarbeit mit der Internationalen Bachakademie Stuttgart unter Helmuth Rilling oder in Strawinskys Die Geschichte vom Soldaten in der Rolle des Teufels. Sie entwirft Textprogramme zu Konzerten, so auch in Zusammenarbeit mit der Singakademie Stuttgart – zuletzt 2015 zu Brahms Liebesliederwalzern und 2023 zu Schuberts Liederzyklus Schwanengesang. Birgit Quellmelz unterrichtet an den Musikhochschulen Karlsruhe und Stuttgart angehende Sänger, Kirchen- und Schulmusiker im Fach Sprecherziehung.

Birgit Quellmelz | Foto: Holger Schneider
Singakademie Stuttgart | Foto: Holger Schneider

Singakademie Stuttgart

Die Singakademie Stuttgart fühlt sich sowohl der musikalischen Tradition als auch der zeitgenössischen Chormusik verpflichtet und führt diese nicht nur traditionell in Kirchen, sondern gerne auch experimentell an außergewöhnlichen Orten auf. Die Konzertliteratur des Chores reicht von 12-stimmigen A-cappella-Motetten bis hin zu oratorischen Werken.  
Seit seiner Gründung 2009 arbeitet das Ensemble an einem Chorklang, der auf das stimmliche Können des Einzelnen setzt. Daraus resultiert auch der Erfolg, der sich in einer lebendigen Ausstrahlung und dem oft gerühmten exzellenten Chorklang mit seiner großen Homogenität und der starken Intonationssicherheit zeigt. 

Im Jahr 2023 ist die Singakademie Stuttgart Patenchor des SWR Vokalensembles. Eine gemeinsame Aufführung des Konzert für Chor von Alfred Schnittke in der Stuttgarter Stiftskirche unter der Leitung von Yuval Weinberg ist ein Beleg der Leistungsfähigkeit des Chores.

Die aus ganz Baden-Württemberg stammenden Sängerinnen und Sänger der Singakademie Stuttgart eint die Leidenschaft des Singens und die Pflege einer lebendigen Gemeinschaft. 

Katarzyna Myćka, Marimba

Die Kritik hat der international renommierten Marimba-Virtuosin und Kammermusikerin Katarzyna Myćka den Beinamen „Die mit den Schlägeln tanzt“ verliehen: „Höchste Geläufigkeit“, „perfekte Anschlagstechnik“ und eine „traumhafte rhythmische Präzision“ seien charakteristisch für die Musikerin, die auf ihrer Konzertmarimba mit den 60 schmalen Holzplatten und Resonanzrohren aus Metall bis zu sechs Töne gleichzeitig zum Klingen bringt.

Dem relativ selten zu hörenden Solo-Instrument Marimba attestiert die Fachwelt unter den wirbelnden Schlägeln der Stuttgarterin mit polnischen Wurzeln „außergewöhnlichen Klangfarbenreichtum“ und „eine faszinierend breite Palette musikalischer Wirkungen“. Das Publikum begeistert auch die artistische Anmut und tänzerische Energie ihres Spiels.

Nach einer Klavier- und Schlagzeugausbildung entdeckte die 1972 geborene Künstlerin während des Studiums an den Musikhochschulen Gdansk, Stuttgart und Salzburg die Marimba als ihr „ideales Medium für die musikalische Aussage“. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei internationalen Musikwettbewerben folgten: 1995 Sieg und Publikumspreis bei der „International Percussion Competition Luxembourg für Marimba Solo“, ein Jahr später der erste Platz bei der „First World Marimba Competition Stuttgart“. Dann kamen Stipendien und Einladungen zu Meisterkursen in den USA, Asien und verschiedenen europäischen Ländern, die die junge Musikerin bald in der Szene vernetzten.

Auftritte als Solistin bei den wichtigsten Marimba Festivals (Osaka 1998, Linz 2004, Minneapolis 2010) sowie ebenfalls solistisch in vielen Teilen der Welt mit bekannten Orchestern (u. a. Stuttgarter und Málaga Philharmonikern, Bogotá, Beijing, Bochumer und Göttinger Symphonikern, Stuttgarter Kammerorchester, Polnischer Kammerphilharmonie Sopot, Maribor, Gdansk, Posen, Neubrandenburg, Vogtland Philharmonien, RSO Luxemburg sowie diversen Kammerorchestern) machen Katarzyna Myćka, heute zu einer führenden Pionierin ihres noch jungen Instruments.

In ihrer heutigen Gestalt existiert die große Konzertmarimba erst seit Mitte der 1980er Jahre. Katarzyna Myćka, 1999 von der „Polish Percussive Arts Society“ als „Botschafterin der polnischen Schlagzeugkunst“ ausgezeichnet, fördert die Popularisierung der Marimba mit Nachdruck. Dazu gehören für sie das Engagement für die Ausbildung des Nachwuchses und die Juryteilnahme bei internationalen Wettbewerben, insbesondere aber ihre bereits 2003 gegründete „Internationale Katarzyna Myćka Marimba Akademie“ (IKMMA).

In den vielseitigen Soloprogrammen der Künstlerin erklingen Transkriptionen der Werke Johann Sebastian Bachs oder Sergej Prokofjews, aber auch Originalkompositionen junger Komponisten wie Emmanuel Séjourné oder Anna Ignatowicz.

Auf inzwischen neun CDs hat die Künstlerin einen Querschnitt ihres Repertoires eingespielt.

Zum Wintersemester 2018/19 wurde Katarzyna Myćka als Professorin an die Musikakademie in ihrer Heimatstadt Gdansk (Danzig) berufen. 

„Viel Zeit und Enthusiasmus“ widmet Katarzyna Myćka der Zusammenarbeit mit Komponisten, die den „speziellen und wunderbaren Klang der Marimba erforschen und verstehen“.

Oberstes Gebot, bilanziert die Musikerin, der zahlreiche Konzerte und Kammermusikwerke gewidmet wurden, sei dabei „musikalisches Vertrauen“.

Katarzyna Myćka | Foto: Carmello Burgaretta
Luca Magdalena Schall

Luca Magdalena Schall, Marimba

Luca Magdalena Schall begann mit sechs Jahren den Schlagzeugunterricht bei Ralf Kleinehanding in Konstanz. Nach dem Umzug nach Freiburg hatte sie Unterricht bei Jochen Schorer und Friedemann Stert, der sie mit 12 Jahren in das Ensemble Kaiserstuhl Percussion (EPK) holte. Im Alter von 12 bis 17 Jahren gewann sie mehrere zweite und erste Plätze bei Jugend musiziert. Parallel spielte sie in EPK-Konzerten, trat zusammen mit Emmanuel Séjourné auf, engagierte sich in Projekten und Konzerten mit dem SWR-Sinfonieorchester unter François-Xavier Roth und gab regional Solokonzerte.

Sie nahm teil an Meisterkursen mit dem Ensemble Modern, mit Maki Takafuji sowie am Deutschen Kammermusikkurs. Nach einem Praktikum beim SWR Orchester und dem FSJ am Theater Freiburg studierte sie von Herbst 2019 bis Frühjahr 2024 in der Schlagzeugklasse von Prof. Stephan Froleyks an der MHS Münster bei Prof. Armin Weigert und Prof. Altfrid Sicking (Bachelor of Music). 2021 trat sie bei der Ruhrtriennale in Point Line Area von Fritz Hauser auf, nahm an zahlreichen internen Hochschulwettbewerben teil und gibt seit Dezember 2021 regelmäßig Konzerte mit ihrem Ensemble „Colours of Percussion“. Seit April 2024 studiert sie in der Schlagzeugklasse von Prof. Katarzyna Myćka an der Folkwang Universität der Künste in Essen (Master of Music).

Stefan Weible

Stefan Weible, Musikalische Leitung

Stefan Weible ist Gründer und künstlerischer Leiter der Singakademie Stuttgart.

Seine musikalische Laufbahn begann er bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Nach Abschluss seines Gesangsstudiums an der Hochschule für Darstellende Kunst und Musik Mannheim blieb er dem Ensemblegesang treu, unter anderem im Kammerchor Stuttgart, dem Deutschen Kammerchor und der Rheinischen Kantorei. Als Sänger der Neuen Vocalsolisten Stuttgart war er an zahlreichen Uraufführungen beteiligt.  Stefan Weible hat wertvolle Erfahrungen in der professionellen Chorarbeit gesammelt und wurde von namhaften Chordirigenten wie Frieder Bernius, Hermann Max, Manfred Schreier und Georg Grün inspiriert und ausgebildet.

Stefan Weible ist Dozent für Dirigieren, Gesang und Gehörbildung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.